Interview mit Yves Meignié

Yves Meignié, Vorstandsvorsitzender von VINCI Energies

„Die dynamischen Transformationsprozesse, welche VINCI Energies extern wie intern durchlebt, spiegeln sich in unserer sehr offenen, agilen Herangehensweise an Innovationen wider. Sie wird von unseren Business Units getragen und zielt auf die kontinuierliche Effizienzsteigerung bei uns und unseren Kunden ab.“

Yves Meignié Vorstandsvorsitzender, VINCI Energies

Wie bewerten Sie angesichts der angespannten Wirtschaftslage das Geschäft von VINCI Energies im Jahr 2016?

Das vergangene Jahr hat einmal mehr gezeigt, wie solide das Geschäftsmodell von VINCI Energies ist. Nach den sehr starken Zuwächsen im Jahr 2015 blieb unser Umsatz oberhalb der Marke von 10 Mrd. Euro, und das trotz eines etwas verhalteneren Wachstums. Die nach wie vor gute Auslastung und die Verbesserung des Betriebsergebnisses bestätigen, dass sich unsere Gruppe auch bei wirtschaftlicher Flaute behaupten kann – das gilt insbesondere für Europa, Brasilien, Australien und bestimmte Bereiche wie das Öl- und Gasgeschäft.

2016 war außerdem ein Jahr der Konsolidierung – wir konnten Unternehmen, die 2014 und 2015 zur Gruppe hinzugekommen sind, etwa OEngenharia, Electrix oder Imtech ICT, integrieren und Synergieeffekte mit ihnen entwickeln.

Im letzten Jahr haben wir auch Großprojekte abgeschlossen, auf die wir mit Stolz zurückblicken dürfen. Sie haben unter Beweis gestellt, dass VINCI Energies auch Großbaustellen erfolgreich abwickeln kann. Ich denke insbesondere an die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Tours und Bordeaux, ein richtungweisendes Projekt für ganz VINCI, oder an GSM-R, ein PPP-Projekt zum Aufbau von Telekommunikations-Infrastrukturen im Bahnsektor.

Wie hat sich die Gruppe international weiterentwickelt?

Nach Electrix im Jahr 2015 kam die australische J&P Richardson zur Gruppe und sorgte so für kontinuierliches Wachstum in Ozeanien. In Europa bauen wir unser Netzwerk in zwei wichtigen Branchen weiter aus: dem Bereich Power & Grid mit Omexom und der Übernahme von Powell Engineering in Großbritannien sowie dem ICT-Sektor mit Axians und Televic AV in Belgien.

Die Märkte von VINCI Energies sind im Wandel. Was treibt diese Veränderungen an?

Energiewende und digitale Information sind die Impulsgeber in allen unseren Geschäftsfeldern. Sie haben Einfluss auf alle unsere Projekte, während unsere Märkte mehr und mehr auf „smarte“ Technik setzen: Smart Building, Smart Grids, Smart Industry, Smart City, Big Data usw. Diese Themen stehen im Zentrum unseres Know-hows und unserer Angebotspalette. Wir wollen unsere Kunden bei diesen Veränderungen unterstützen und begleiten. Deshalb haben wir Smart Grid Energy übernommen, ein großer Anbieter im Bereich Laststeuerung (Demand-Response). Das ist ein wichtiger Schwerpunkt unseres künftigen Angebots, ein Kernstück der Energiewende. Es ist das Bindeglied zwischen unseren verschiedenen Geschäftsfeldern, zwischen Kunden von Actemium oder VINCI Facilities, die Strom verbrauchen, und Kunden von Omexom, die Stromnetze betreiben.

Die Marken wurden in den letzten Jahren weiter ausgebaut. Welche Synergieeffekte gibt es dort?

Tatsächlich entstehen zunehmend Synergieeffekte zwischen unseren Marken, die für die Entwicklung gemeinsamer Angebote genutzt werden. Diese Feststellung führte zur Gründung von „La Factory“, dem gemeinsamen Arbeitsplatz aller Markenteams. Die räumliche Nähe fördert und beschleunigt die Konzeption der Angebote von morgen. Insbesondere Axians ermöglicht die Entwicklung digitaler Angebote. Wir sind hier Vorreiter bei Themen wie dem IoT in der Gebäude- und Industrietechnik. Axians und Actemium waren beispielsweise gemeinsam an der Modernisierung der Stuttgarter Trinkwasserversorgung beteiligt.

Innovationen sind integraler Bestandteil der VINCI Energies-Angebotspalette. Wie wirkt sich das aus?

Der interne und externe Wandel, dem die Gruppe unterliegt, spiegelt sich in unserer Innovationspolitik wider – sie soll offen für andere Akteure und Partner in diesem Bereich sein. Innovationen werden bei VINCI Energies großgeschrieben. Sie finden zunächst einmal vor Ort statt, in unseren Business Units, die gemeinsam mit ihren Kunden neue Praxislösungen ausprobieren.

Die immer engeren Beziehungen zwischen verschiedenen Unternehmenseinheiten der Gruppe und externen Akteuren wie Start-Ups, Hochschulen, öffentlicher Hand, Unternehmen usw. sorgen dann für weitere Innovationen. Wir haben Inerbiz gegründet, ein auf innovative Lösungen ausgerichteter Investment- und Managementfonds, der bereits drei Start-Ups unterstützt hat. Dieser Fonds ist aus dem Willen zur Verbreiterung unserer Angebotspalette entstanden. Innovative Unternehmen sollen unser Netzwerk für ihre Experimente nutzen können, gleichzeitig kommen uns die von ihnen entwickelten Lösungen zugute. Wir sind außerdem Partner von thecamp, dem digitalen Innovationscampus für die Stadt der Zukunft, der im Herbst 2017 in Aix-en-Provence (Südfrankreich) seine Tore öffnet. Gemeinsam mit Cisco haben wir 2016 bei der Veranstaltung Viva Technology in Paris ein Stadtinnovationsforum ausgerichtet, bei dem Start-ups und Großunternehmen kollaborative Projekte entwickelten.

Compliance, Arbeitssicherheit und Personalgewinnung sind für VINCI Energies unabdingbar. Wie sind sie in die Abläufe in der Gruppe eingebunden?

Diese wichtigen Herausforderungen für die Zukunft von VINCI Energies werden vor Ort in den BUs implementiert und durch zahlreiche bereichsübergreifende Maßnahmen verfolgt und unterstützt. Unser Geschäftsmodell ist unter anderem deshalb so solide, weil es auf der Einhaltung von Regeln beruht. Diesbezüglich setzen wir unsere Maßnahmen fort, um unsere Mitarbeiter zu unterstützen, zu schulen und auf ihre Verantwortung für mögliche Risiken im Zusammenhang mit bestimmten Aufträgen aufmerksam zu machen.

In Sachen Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit haben wir eine langfristige, schlagkräftige Initiative zur Risikowahrnehmung im Rahmen unserer „Safety Week“ angestoßen, eine jedes Jahr weltweit stattfindende Veranstaltung zum Thema Arbeitssicherheit. Alle Mitarbeiter und Führungskräfte haben sich diesem Ansatz verschrieben, um unser Ziel „Null Unfälle“ zu erreichen.

Auch bei der Personalgewinnung sind wir weiterhin sehr aktiv und haben 2016 mehr neue Mitarbeiter eingestellt als in den Vorjahren. So stieg die Anzahl der unbefristeten Beschäftigungsverhältnisse, der Trainees und Auszubildenden – das zeigt unser Vertrauen in die Zukunft. Die Ausbildung von Jugendlichen stellt im Übrigen eine wesentliche Investition dar. Vor diesem Hintergrund setzen wir auf starke Partnerschaften mit Schulen und Hochschulen in den Bereichen Technik und Ingenieurswissenschaften, etwa mit der ENSE3. Dort sind wir aktiv an der Ausbildung von Studierenden beteiligt, die 2018 ihr Ingenieursdiplom ablegen werden.

 

Yves MEIGNIÉ

Vorstandsvorsitzender von VINCI Energies